Die Gunas - Tamas

Wenn dir die Energie fehlt, etwas zu verändern und was Tamas über dich verrät. Warum fällt uns manchmal selbst das schwer, von dem wir genau wissen, dass es uns guttun würde? Die Yogaphilosophie bietet eine spannende Perspektive auf unsere Gedanken, Gefühle und Gewohnheiten und darauf, wie wir wieder mehr Einfluss auf unseren Alltag gewinnen können.

10/9/20266 min read

Tamas: Die Kraft der Ruhe – und wenn sie uns festhält
Tamas ist eine der drei grundlegenden Qualitäten (Gunas) der Yogaphilosophie.
Es steht für Ruhe, Stille, Schwere, Trägheit und Rückzug.

Wir alle kennen diese Qualität. Nach einer anstrengenden Woche nach Hause kommen, die Beine hochlegen und einfach nichts mehr erledigen müssen. Den Körper schwer werden lassen, die Gedanken langsamer werden lassen und für einen Moment aus dem Alltag aussteigen. - Und genau das brauchen wir.

Wir leben in einer Welt, in der vieles darauf ausgerichtet ist, aktiv zu sein, etwas zu erreichen und immer weiterzumachen.
Tamas erinnert uns daran, dass wir nicht ständig in Bewegung sein müssen. Dass wir Pausen brauchen, um Erlebtes zu verarbeiten, Kraft zu sammeln und wieder bei uns selbst anzukommen.

Doch Tamas ist nur eine von drei Qualitäten, die unser Erleben und unser Verhalten beeinflussen.
Um zu verstehen, warum uns Ruhe manchmal guttut und uns manchmal eher ausbremst, lohnt sich ein Blick auf die Gunas.


Was sind die Gunas?

In der traditionellen Yogaphilosophie gibt es drei grundlegende Qualitäten: Tamas, Rajas und Sattva.

Sie beschreiben unterschiedliche Eigenschaften, die in der Natur und in uns Menschen wirken. Sie beeinflussen, wie wir die Welt wahrnehmen, wie wir denken, wie wir uns fühlen und wie wir handeln.

Das Interessante daran: Wir sind diesen Einflüssen nicht einfach ausgeliefert.
Auch unsere Gewohnheiten, unsere Ernährung, unsere Umgebung und unser Lebensstil spielen eine Rolle dabei, welche Qualitäten wir verstärken. Die Gunas sind also keine festen Persönlichkeitstypen. Vielmehr verändern sich diese Qualitäten ständig und wirken in unterschiedlichen Mischungen zusammen. In den nächsten Artikeln schauen wir uns alle drei genauer an. Heute beginnen wir mit Tamas und der Frage, wann Ruhe uns stärkt und wann sie uns daran hindern kann, das Leben aktiv zu gestalten.


Wenn Ruhe zur Schwere wird

So wertvoll Tamas für unsere Erholung ist, so kann es auch eine andere Seite entwickeln.
Manchmal wird aus wohltuender Ruhe ein Zustand, in dem wir feststecken.

Wir ziehen uns zurück, obwohl wir uns eigentlich nach Gesellschaft sehnen. Wir schieben Dinge auf, obwohl wir wissen, dass sie uns beschäftigen. Und selbst wenn wir etwas verändern möchten, fühlt sich der erste Schritt unglaublich schwer an.

Je länger dieser Zustand anhält, desto schwieriger kann es werden, wieder in Bewegung zu kommen. Was uns zunächst Erholung geschenkt hat, kann uns nun ausbremsen.


Dabei geht es nicht darum, Ruhe grundsätzlich als etwas Negatives zu betrachten oder uns für unsere Trägheit zu verurteilen. Entscheidend ist vielmehr, den Unterschied zu erkennen:
Tut mir diese Pause gerade gut, oder hält sie mich von etwas ab, das mir eigentlich wichtig ist?

Brauche ich wirklich mehr Ruhe? Oder ist es an der Zeit, wieder etwas in Bewegung zu bringen?

Allein diese Frage kann unseren Blick auf uns selbst verändern. Wir beginnen, unsere Bedürfnisse besser zu verstehen und bewusster darauf zu reagieren, statt uns für unsere Stimmung zu verurteilen oder einfach in ihr stecken zu bleiben.

woman in gray sweater holding smartphone
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white ceramic mug with white candle
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Vom Abenteuer in die Trägheit
Viele von euch wissen, dass ich das große Glück hatte, durch die Welt reisen zu dürfen. Wenn ich heute daran zurückdenke, war das eine der schönsten Etappen meines bisherigen Lebens. Neue Orte entdecken, fremde Kulturen kennenlernen, Menschen begegnen, die meinen Blick auf die Welt verändert haben.
Und dabei immer wieder dieses Gefühl, nicht zu wissen, was der nächste Tag bringen würde – täglich voller Neugier ins nächste Abenteuer zu stürzen.

Was wir daraus mitnehmen können

Die Gunas erinnern uns daran, dass wir nicht jeden Tag gleich fühlen, denken oder handeln. Und dass das völlig in Ordnung ist.

Manchmal brauchen wir Rückzug und Ruhe. An anderen Tagen tut es uns gut, aktiv zu werden, neue Dinge auszuprobieren oder wieder mehr Verbindung zu anderen Menschen zu suchen.

Entscheidend ist, den Unterschied zu erkennen und unser Verhalten daraufhin anzupassen. 

Yoga kann uns dabei helfen, genauer hinzuspüren und eine entsprechende Einheit auszuwählen, um uns dabei selbst besser kennenzulernen. Dieses Verständnis endet nicht, wenn wir die Matte zusammenrollen. Es begleitet uns in unsere Entscheidungen, unsere Beziehungen und die kleinen Momente des Alltags.

Wenn du Tamas einmal ganz unmittelbar in deiner eigenen Praxis erfahren möchtest, lade ich dich ein, die Yin-Yoga-Einheit zum Thema in der Mediathek nachzuholen. Hier geht es darum, bewusst langsamer zu werden, die Stille zuzulassen und wahrzunehmen, was entsteht, wenn wir für eine Weile nichts leisten müssen.

Vielleicht erkennst du dabei auch etwas von dir selbst wieder.

Denn die spannende Frage ist nicht nur, wann wir Ruhe brauchen, sondern auch, wann wir uns zu sehr in ihr einrichten. Und damit sind wir schon bei unserem nächsten Thema.

Was passiert eigentlich, wenn das Gegenteil der Fall ist?
Wenn wir nicht mehr auf dem Sofa feststecken, sondern ständig in Bewegung sind? Wenn wir von einer Aufgabe zur nächsten eilen, immer etwas erreichen wollen und selbst dann nicht zur Ruhe kommen, wenn unser Körper längst danach verlangt?
Auch das kennen wir wahrscheinlich alle. Und auch dahinter steckt eine der drei Gunas: Rajas.

In der nächsten Workshop-Einheit und im nächsten Blog-Post schauen wir uns diese kraftvolle, antreibende Qualität genauer an – und warum uns genau das, was uns voranbringt, manchmal auch den Frieden kosten kann.


Together we Flow
- Miteinander im Fluss.

person lying on sofa near table lamp
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woman lying on bed
woman lying on bed
woman in gray sweater sitting on white textile
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Doch irgendwann kam ich zurück.
Und nach all den Eindrücken genoss ich es unglaublich, endlich wieder zur Ruhe zu kommen. Nicht ständig die nächste Etappe planen, kein Visum organisieren, keine neue Sprache verstehen müssen. Einfach an einem vertrauten Ort sein, gewohnte Gesichter sehen und wissen, wie der nächste Tag aussehen würde.

Ich musste nichts entdecken. Ich konnte einfach sein.

Und das tat mir gut. Nur bemerkte ich irgendwann nicht, dass sich etwas veränderte.

Es war noch gar nicht so lange her, dass ich jeden Tag einen anderen Sonnenuntergang erlebt und neue Menschen kennengelernt hatte. Dass ich voller Neugier auf das gewesen war, was mich hinter der nächsten Ecke erwarten könnte.
Und plötzlich fehlte mir genau diese Neugier.

Ich hatte kaum noch Lust, etwas zu unternehmen. Selbst Dinge, von denen ich wusste, dass sie mir guttun würden, verschob ich auf morgen. Stattdessen saß ich auf dem Sofa, scrollte durch mein Handy und verlor mich in kleinen Ablenkungen. Stunden vergingen, ohne dass ich mich danach wirklich erholt oder erfüllt fühlte.

Eigentlich hatte ich alle Möglichkeiten, meinen Alltag zu gestalten. Und trotzdem hatte ich keine Lust darauf.

Heute erkenne ich darin die Qualität von Tamas. Nicht, weil die Ruhe falsch gewesen wäre. Ich hatte sie gebraucht. Aber irgendwann war aus der wohltuenden Pause ein Zustand geworden, in dem ich immer mehr feststeckte.

Ich brauchte nicht noch mehr Ruhe. Ich brauchte wieder etwas, das mich lebendig fühlen ließ.


Für mich war Yoga ein wichtiger Teil davon.

Manchmal musste ich mich erst einmal überwinden, überhaupt die Matte auszurollen. Doch sobald ich anfing, meinen Körper zu bewegen und meinen Atem bewusst wahrzunehmen, veränderte sich etwas. Ich kam aus der Trägheit zurück in den gegenwärtigen Moment. Ich spürte wieder, wie es sich anfühlt, wenn etwas in mir in Bewegung kommt.

Nicht jede Einheit veränderte meinen Tag. Aber mit der Zeit wurde mir bewusst, wie wertvoll es ist, sich regelmäßig diesen Moment für sich selbst zu nehmen. Ich konnte wieder mehr wahrnehmen, was gerade in mir passiert – und was ich wirklich brauchte.


Denn manchmal brauchen wir Ruhe. Und manchmal brauchen wir den Mut, uns aus unserer gewohnten Trägheit herauszubewegen. Dafür bin ich Yoga unglaublich dankbar. Denn die Praxis hat mir geholfen, diesen Unterschied zu erkennen.
Und für mich beginnt Veränderung genau dort: mit einem kleinen Schritt, der uns wieder näher zu uns selbst bringt.

Markus Schneider Yoga
Bergstraße 9
91484 Sugenheim

yoga@markuschneider.com