Wenn ein hartes Herz wieder weich wird

Loving Kindness bedeutet, Freundlichkeit und Mitgefühl zu kultivieren. Aber was passiert, wenn wir diese Haltung einem Menschen gegenüber entwickeln sollen, den wir wirklich nicht mögen? Und was passiert, wenn wir es doch schaffen?

9/15/20263 min read

Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich sehr lange wütend auf einen Menschen war. Jedes Mal, wenn ich an diese Person gedacht habe, war die Geschichte sofort wieder da. Was passiert war. Was gesagt wurde. Was ich gerne anders gemacht hätte. Irgendwann habe ich angefangen, genau diese Person in meine Loving-Kindness-Praxis einzubeziehen.
Ich bin ehrlich. Am Anfang hat sich das ganze fast schon absurd angefühlt.
Ich wollte dieser Person keinen Frieden wünschen. Ich wollte, dass sie versteht, was sie mir angetan hatte. Ein Teil von mir wollte sogar, dass es ihr schlecht geht.
Aber ich habe mich immer wieder auf die Matte gesetzt und die Sätze trotzdem wiederholt.
Nicht, weil ich dieser Person vergeben wollte, aber weil ich einfach irgendwann gemerkt habe:
Ich möchte diese Wut nicht mehr jeden Tag mit mir herumtragen.
Und irgendwann passierte etwas ganz Unspektakuläres.
Ich dachte an diese Person - und es wurde stiller in mir.

Das, was passiert war, war nicht plötzlich ungeschehen.
Aber sie hatte nicht mehr dieselbe Macht über mich.

A person in silhouette with arms raised against a bright blue light
A person in silhouette with arms raised against a bright blue light
A close-up of a single green eye emerging from deep shadows
A close-up of a single green eye emerging from deep shadows
brown trees on brown grass field during daytime
brown trees on brown grass field during daytime
woman spreading her arms
woman spreading her arms
sun setting over the sea
sun setting over the sea

Wir haben in unserer Loving-Kindness-Reihe mit uns selbst begonnen. Danach haben wir unsere Aufmerksamkeit auf Menschen gerichtet, die wir lieben und schließlich auf eine neutrale Person.
Aber was passiert, wenn wir einen Menschen wirklich nicht mögen? Wenn wir verletzt wurden. Wenn wir wütend sind. Wenn wir vielleicht sogar Hass empfinden? Genau dort wird Loving Kindness für mich besonders spannend. Denn Loving Kindness bedeutet nicht, dass wir jemanden plötzlich mögen müssen. Es bedeutet nicht, dass wir ein Verhalten gutheißen oder jemandem vergeben müssen. Und schon gar nicht bedeutet es, unsere eigenen Grenzen aufzugeben.

Die Veränderung passiert in uns
Genau das ist die transformative Kraft von Loving Kindness. Wir praktizieren nicht, um andere Menschen zu verändern. Wir praktizieren, um unsere eigene Reaktion auf die Welt zu verändern.
Starke Abneigung kostet Kraft. Unser Körper spannt sich an. Unser Geist erzählt immer wieder dieselbe Geschichte. Wir halten fest, obwohl die Situation vielleicht längst vorbei ist.
Loving Kindness schafft einen kleinen Abstand zwischen dem, was passiert ist, und unserer automatischen Reaktion darauf. Und in diesem Abstand kann etwas Neues entstehen: mehr Ruhe, mehr Mitgefühl, mehr Freiheit.
Vielleicht müssen wir nicht alles gutheißen, was uns im Leben begegnet. Aber wir können entscheiden, ob wir unser Herz daran dauerhaft verhärten lassen.

Ein weiches Herz
Für mich bedeutet ein weiches Herz nicht, dass wir naiv sind.
Es bedeutet auch nicht, dass wir alles hereinlassen oder jedem vertrauen.
Ein weiches Herz kann sehr klare Grenzen haben. Aber es muss nicht ständig kämpfen.Und dadurch wird das Leben ein bisschen leichter. Wenn wir nicht jede Enttäuschung, jede Wut und jede Verletzung für immer mit uns herumtragen müssen.
Wenn wir Menschen loslassen können, ohne sie verstehen zu müssen.
Wenn wir Frieden wünschen können, ohne Zustimmung zu schenken.
Und wenn wir irgendwann merken:

Ich bin nicht mehr derselbe Mensch wie damals.
Und das, was passiert ist, muss nicht für immer bestimmen, wie ich mich heute fühle.

Für mich ist das Loving Kindness.
Nicht die Welt zu verändern..

Sondern uns selbst so zu verändern, dass wir dieser Welt mit einem etwas weicheren Herzen begegnen können.

Wir können sagen: „Was du getan hast, war nicht Okay.“ und diesem Menschen trotzdem Frieden wünschen.

Loving Kindness

Markus Schneider Yoga
Bergstraße 9
91484 Sugenheim

yoga@markuschneider.com