Yoga zu Hause: Wie du wirklich dranbleibst

Eine regelmäßige Yogapraxis muss nicht perfekt sein. Sie muss in dein Leben passen.

8/12/20266 min read

Eine regelmäßige Yogapraxis muss nicht perfekt sein. Sie muss in dein Leben passen.
Du kennst das vielleicht: Du hast dir vorgenommen, wieder regelmäßig Yoga zu machen. Vielleicht sogar jeden Morgen. Die Matte liegt schon bereit, du hast dir eine schöne Einheit herausgesucht und bist voller Motivation. Die ersten Tage funktionieren wunderbar. Und dann kommt das Leben. Die Arbeit dauert länger. Du bist müde. Es gibt noch etwas zu erledigen. Eigentlich wolltest du nur kurz aufs Sofa. Und plötzlich sind drei Tage vergangen.

Und jetzt fühlt es sich an, als müsstest du wieder ganz von vorne anfangen. Aber genau das musst du nicht.
Du brauchst auch nicht mehr Disziplin. Ich glaube, einer der größten Irrtümer rund um Yoga ist die Vorstellung, dass eine „richtige“ Yogapraxis mindestens 60 Minuten dauern muss. Wenn wir wenig Zeit haben, denken wir: Dann lohnt es sich heute sowieso nicht. Und so wird aus „Ich habe heute keine Stunde“ schnell „Heute mache ich gar kein Yoga“. Dabei können zehn Minuten genauso der Moment sein, in dem du wieder bei dir ankommst.

Yoga muss nicht immer eine komplette Einheit sein, um etwas zu verändern.
Gerade für eine langfristige Praxis kann es unglaublich hilfreich sein, die Hürde kleiner zu machen. Vielleicht hast du heute 20 Minuten. Dann mach 20 Minuten. Vielleicht hast du 40 Minuten. Dann nimm dir 40. Und vielleicht möchtest du einmal in der Woche bewusst mehr Zeit für dich nehmen und eine ganze Stunde auf der Matte verbringen.

a man sitting on top of a hill while meditating
a man sitting on top of a hill while meditating

Warum sich das Dranbleiben lohnt
Yoga verändert uns, wenn wir es nicht nur ab und zu machen, sondern zu einem festen Bestandteil unseres Lebens werden lassen. Und das passiert vielleicht ganz unspektakulär. Du wachst nicht eines Morgens auf und denkst: Wow, ich bin ein komplett anderer Mensch. Es sind eher die kleinen Dinge.. Du bemerkst früher, wenn dein Körper angespannt ist. Du merkst, wann du eine Pause brauchst. Du reagierst vielleicht etwas ruhiger auf einen stressigen Moment. Du kennst deinen Körper besser. Und du hast einen Ort, an den du immer wieder zurückkehren kannst.
Genau darin liegt für mich die eigentliche Kraft einer regelmäßigen Yogapraxis.
Nicht darin, möglichst viele Stunden auf der Matte zu sammeln. Sondern darin, immer wieder zu dir zurückzukommen.

Eine kleine Einladung für dich.
Wenn du gerade das Gefühl hast, aus deiner Yogapraxis herausgefallen zu sein, dann mach es dir heute ganz einfach. Roll deine Matte aus. Nicht mit dem Vorsatz, jetzt wieder „richtig“ anzufangen. Sondern nur mit der Frage: Was würde mir jetzt guttun? Und das kann ganz unterschiedlich aussehen:
Vielleicht sind es ein paar Bewegungen. Vielleicht auch nur ein paar Minuten in der Haltung des Kindes. Vielleicht eine gemeinsame Stunde mit anderen. Und wenn daraus doch mehr wird - wunderbar. Und wenn nicht ist das auch gut.

Denn eine regelmäßige Yogapraxis entsteht nicht dadurch, dass wir niemals aus dem Rhythmus kommen.
Sie entsteht dadurch, dass wir immer wieder zurückkehren.
Und vielleicht ist genau heute ein guter Tag dafür.

Nicht jede Praxis muss gleich sein. Wichtig ist, dass du auf die Matte kommst.
Das Geheimnis ist nicht, jeden Tag motiviert zu sein. Motivation ist schön. Aber sie ist kein besonders zuverlässiger Begleiter. Es gibt Tage, an denen du dich auf Yoga freust. Und es gibt Tage, an denen du absolut keine Lust darauf hast. Wenn deine Praxis davon abhängt, dass du dich immer motiviert fühlst, wird sie zwangsläufig unregelmäßig. Viel hilfreicher ist es, Yoga zu einem kleinen Teil deines Alltags werden zu lassen.

Vielleicht direkt nach der Arbeit. Vielleicht bevor du abends duschst. Oder vielleicht gibt es einen festen Abend in der Woche, der einfach dir gehört. Ein Termin, den du nicht jedes Mal neu mit dir selbst verhandeln musst. Denn manchmal hilft es unglaublich, wenn jemand von außen sagt: Heute ist Yoga. Wir sehen uns auf der Matte.
Du musst dich nicht motivieren. Du musst auch keine Einheit planen. Du musst einfach nur auftauchen. Und genau daraus kann mit der Zeit eine Gewohnheit entstehen.

Mach es dir so einfach wie möglich
Wenn deine Matte jeden Abend im Schrank liegt, musst du erst einmal entscheiden, ob du sie herausholst. Dann musst du Platz schaffen. Dann vielleicht noch eine passende Einheit suchen. Dann überlegen, wie lange du heute eigentlich Yoga machen möchtest. Und irgendwann fühlt sich eine kleine Yogapraxis plötzlich nach einem ziemlich großen Projekt an.
Also: Mach es dir leicht. Lass die Matte dort liegen, wo du sie siehst. Lege deine Kleidung bereit. Und vor allem: Nimm dir die Entscheidung ab, jedes Mal aufs Neue überlegen zu müssen, was du eigentlich machen möchtest.
Eine gute Mediathek kann dabei unglaublich hilfreich sein. Du hast verschiedene Einheiten zur Auswahl und kannst dich einfach danach richten, was heute zu dir passt:
20 Minuten oder 40? Ruhiger Flow oder etwas Dynamischeres? Rücken, Hüften, Entspannung oder einfach Bewegung? Du musst nicht erst einen perfekten Plan erstellen. Du kannst einfach schauen, was du heute brauchst und loslegen.
Und dann gibt es noch die wichtigste Frage...

Was brauchst du heute wirklich?
Eine langfristige Praxis bedeutet nicht, jeden Tag dieselbe Version von Yoga zu machen.
Im Gegenteil: Je länger ich Yoga praktiziere und unterrichte, desto mehr merke ich, eine gute Praxis ist nicht unbedingt die, die mich jedes Mal an meine Grenzen bringt. Manchmal ist die beste Praxis die, nach der ich mich ein bisschen leichter fühle. Manchmal sind es 45 Minuten. Manchmal 15. Und manchmal besteht meine Praxis nur darin, kurz innezuhalten und zu merken: Wie geht es mir eigentlich gerade? Auch das ist eine Form von Dranbleiben.

Du musst nicht alleine dranbleiben. Das ist etwas, das ich selbst immer wieder beobachte. Yoga zu Hause kann unglaublich schön sein. Aber manchmal ist genau das auch die Herausforderung. Niemand wartet auf dich. Niemand weiß, ob du heute auf der Matte stehst. Und niemand merkt, wenn du dich nach einem langen Tag doch für das Sofa entscheidest. Deshalb kann Gemeinschaft einen großen Unterschied machen. Ein fester Termin. Andere Menschen, die gleichzeitig ihre Matte ausrollen. Eine vertraute Stimme, die dich durch die Praxis begleitet. Plötzlich musst du Yoga nicht mehr irgendwo in deinem Tag unterbringen.
Für diese eine Stunde ist Yoga einfach dein Termin.

Und danach gehst du wieder zurück in deinen Alltag. Vielleicht mit einem ruhigeren Kopf, einem freieren Körper und dem Gefühl, etwas für dich getan zu haben. Für mich ist genau das eine der schönsten Seiten daran, Yoga gemeinsam zu praktizieren. Auch wenn jeder dabei bei sich zu Hause auf seiner eigenen Matte liegt. Irgendwie sind wir trotzdem miteinander verbunden, wenn wir wissen: Gerade jetzt sitzen, atmen und bewegen sich auch andere Menschen mit uns.
Jede und jeder auf der eigenen Matte, aber für diesen Moment doch gemeinsam.

Du musst nicht wieder bei null anfangen
Vielleicht hast du schon einmal zwei Wochen oder sogar mehrere Monate regelmäßig Yoga gemacht und dann aufgehört.
Und vielleicht denkst du jetzt: Ich habe es wieder nicht geschafft. Aber eine Pause löscht deine bisherige Praxis nicht aus. Du musst nicht zurück an den Anfang. Du kommst einfach zurück auf die Matte. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne die ersten drei Tage gleich wieder eine Stunde machen zu müssen. Vielleicht gehst du gerade dann erstmal in eine kurze Einheit oder schließt dich beim nächsten gemeinsamen Abend wieder mit an. Vielleicht machst du einfach zehn Minuten aus der Mediathek. Der nächste Schritt muss nicht groß sein. Er muss nur möglich sein.

white cloudy sky at daytime
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Markus Schneider Yoga
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